Ein Zahn ist wie ein Fingerabdruck
Jeden Zahn gibt es nur einmal, denn er muss in einem komplexen Organismus die Aufgabe der Nahrungszerkleinerung übernehmen. Kauen wird durch Unterkieferbewegungen ermöglicht, bei denen die oberen und unteren Zähne sich gegeneinander verschieben und dabei die Nahrung zerkleinern. Diese Bewegung wird durch die Bewegung des Unterkiefers verursacht und von den Muskeln und Kiefergelenken geführt. Jeder Mensch (jedes Individuum) hat eigene (individuelle) Unterkieferbewegungen und damit auch eigene Kiefergelenkbewegungen. Die Struktur der Zahnoberfläche erscheint sehr kompliziert. Es ist aber zu bedenken, dass sämtliche räumlichen Bewegungen des Unterkiefers sich in dieser Oberfläche wiederspiegeln. So gleiten beim Vorschieben die Schneidezähne aneinander, beim seitlichen Verschieben die Backenzähne.
Individuelle Zähne - ja, aber wie?
Die besten
individuellen Zähne sind die eigenen, weshalb unser oberstes Ziel der Zahnerhalt ist. Hierzu gehört der Erhalt und die Wiederherstellung des Zahnhalteapparates (Parodont). Eine systematische Parodontalbehandlung (Parodontosebehandlung) sollte heute auf den Erhalt und die Regeneration des Parodonts abzielen. Eine schonende und schmerzfreie Parodontosebehandlung wird heute durch moderne Technik (Laser, hochfrequente Ultraschallsonden, Einsatz regenerativer Verfahren, Operationsmikroskopbehandlung etc.) und Zusatzausbildungen erreicht.
Zahnerhalt ja, aber was tun wenn Zähne fehlen?
Fehlende Zähne können heute auf vielfältige Weise ersetzt werden. Es ist möglich fehlende Zähne oder Zahnwurzeln durch Prothesen, Brücken oder Implantate zu ersetzen. Prothesen müssen heute nur noch selten und in extrem weit fortgeschrittenen Fällen von Knochenverlust (Knochenschwund) eingesetzt werden, um fehlende Zähne zu ersetzen. Brücken sind manchmal dort das Mittel der Wahl, wo die benachbarten Zähne ohnehin mit Kronen versorgt werden müssen.
Sind allerdings die
benachbarten Zähne gesund oder wiederhergestellt, sind Implantate (künstliche Zahnwurzel aus Rein-Titan) fast immer möglich. Diese Methode verspricht heute bei richtiger Indikation eine sehr hohe Erfolgsquote (ca. 97 %) und bei ordnungsgemäßer Anwendung einen perfekten Zahnersatz.
Die individuelle Zahnoberfläche kann wiederhergestellt werden!
Das erklärte Ziel muss es sein, im Teamwork zwischen Zahnarzt, Zahntechniker und Patient, nicht nur den Defekt zu schließen oder keine Störungen zu verursachen, sondern die zu ersetzenden Anteile so zu rekonstruieren, dass sie dem Abnutzungs– oder Gebrauchsmuster angeglichen und dem patienteneigenen, zahnreliefgeführten Funktionsablauf zugeordnet werden. Wir benötigen also Kontakte beim Zusammenbeissen für eine optimale Stabilität zwischen beiden Zahnreihen, und Kontaktflächen (viele kleine Mühlen), die eine maximale Nahrungsaufbereitung ermöglichen, so wie die Natur es einmal vorgesehen hatte. Hier sind also wesentliche Unterschiede zu den mittelwertig angefertigten Standardlösungen, die diese wichtige Aufgabe nicht erfüllen. Schlecht oder falsch gestaltete Kauflächen auf den Zähnen ermöglichen lediglich ein grobes Zerquetschen der aufgenommenen Nahrung, aber keine Aufschlüsselung und Feinstaufbereitung, wie es für unseren gesamten Verdauungstrakt notwendig ist.
Die naturgemäße Aufwachstechnik (NAT)
Ästhetik steht in der restaurativen Zahnheilkunde naturgemäss im Vordergrund. Sie ist also eine Hauptforderung des Patienten an den Zahnarzt und den Zahntechniker. Dem Kommunikationsorgan "Mund" wird deshalb von Gesprächspartnern grosse Aufmerksamkeit gewidmet. Die Frontzähne stehen von Natur aus mehr im Blickfeld als der Seitenzahnbereich. Sind deshalb die Seitenzähne weniger wichtig als die Frontzähne? Hier, im meist unsichtbaren Bereich des Mundes, wird die Kauarbeit geleistet, und deshalb verdienen die Seitenzähne keine geringere Aufmerksamkeit.
Auffällig an den kleinen und grossen Backenzähnen ist das sehr effiziente System von Höckern, Gruben, Furchen und Leisten der Kaufläche. Unsere Zähne im Ober– und Unterkiefer stehen in einem von der Natur genau definierten Verhältnis zueinander. Besonders die grossen Mahlzähne sind eine einmalige, hochspezialisierte Konstruktion und übernehmen die immens wichtige Funktion der mechanischen Nahrungsaufbereitung. Abbeissen und Zerkleinern der Nahrung, also der erste Schritt jeglicher Nahrungsaufnahme, ist für die Aufbereitung zu körpereigenen Energiestoffen von existentieller Bedeutung für den ganzen Körper. Fehler, die schon bei der Rekonstruktion eines Seitenzahnes oder einer solchen im gesamten Kauorgan gemacht werden, können den gesamten Organismus negativ beeinflussen.
Die naturgemäßen Rekonstruktionen unterliegen nach ihrer Fertigstellung und Eingliederung unterschiedlichen Einflüssen. Besonders auch beim aneinander Angleichen und Einschleifen beider Zahnreihen zueinander ergeben sich Veränderungen auf den Kauflächen, also in der Zahnmorphologie. Es entsteht eine Funktionsmorphologie. Dieser sanfte Weg in die Funktionsmorphologie erfolgt normalerweise im Laufe unseres Lebens. Bei Restaurationen können diese Veränderungen, vom jungfräulichen Zahn zu einem Zahn mit optimalem Gebrauchsmuster eingearbeitet werden.
Die Informationen, die nötig sind, um dieses Gebrauchsmuster einzuarbeiten, können heute mit einem opto-elektronischen Aufzeichnungssystem (Condylocomp) ohne Strahlenbelastung am Patient aufgezeichnet werden.
Durch dieses System werden auch Vorbehandlungen möglich, wenn Kiefergelenkschmerzen, Kiefergelenkknacken etc. vorhanden sind. Nach dieser, individuell auf den Patient abgestimmten Vorbehandlung werden erfolgreiche Restaurationen oft erst möglich.